Bandscheibenvorfall und -vorwölbung

Bevor erklärt wird, was eigentlich ein Bandscheibenvorfall bzw. eine -vorwölbung ist, folgt hier ein kurzer Blick hinter die anatomischen Kulissen: Eine Bandscheibe besteht grundsätzlich aus zwei Teilen – dem äußeren Faserring und dem inneren Gallertkern. Sie enthält Flüssigkeit, wodurch sie als eine Art Puffer zwischen den einzelnen Wirbelkörpern fungiert – denn genau das ist der Job einer Bandscheibe. Wird Druck auf die Bandscheiben ausgeübt – durch Bewegung, durch Stehen, durch Fehlbelastungen etc. – entweicht die Flüssigkeit. Nachts, während wir schlafen, füllen sich die Flüssigkeitdepots der Bandscheibe wieder auf. Neben Faserring und Gallertkern sei an dieser Stelle auch das hintere Längsband (Ligamentum longitudinale posterius) erwähnt. Es verläuft über alle hinteren Flächen der Wirbelkörper, in Angrenzung an die einzelnen Faserringe, und kleidet den Wirbelkanal somit in seinem vorderen Bereich aus.

Nun zurück zum Thema: Bei einem Bandscheibenvorfall (oder auch Discusprolaps, Discushernie, Bandscheibenprolaps oder Nucleus pulposus prolaps (NPP)) handelt es sich um die Verlagerung des Bandscheibenkerns mit einem kompletten Riss des Faserrings und ggf. auch des Längsbandes (Ligamentum longitudinale posterius), was zum Austreten des Bandscheibenmaterials in den Wirbelkanal führt. Dadurch kann es zur Kompression von Nerven kommen, was häufig die erwähnten Symptome auslöst. Bei der Vorstufe des Bandscheibenvorfalls, der Bandscheibenvorwölbung (Discus protrusion), ist der Kern verlagert und es bestehen ggf. nur kleine Einrisse des Faserrings sowie ein intaktes Längsband. Dadurch kann sich das Gesamtgebilde „Bandscheibe“ in dem betroffenen Bereich verschieben – bzw. vorwölben – und ebenfalls Druck auf Nerven ausüben

Ursachen für solche Veränderungen an den Bandscheiben sind meist länger anhaltende Fehlbelastungen der Wirbelsäule. Hierzu gehören vor allem statische Wirbelsäulen-fehlstellungen, wie sie z.B. durch einen fehlrotierten Atlas ausgelöst werden können.

Hintergrund: Der Atlas ist der einzige Wirbel, der keine Bandscheibe besitzt. Die erste Bandscheibe sitzt zwischen dem zweiten und dritten Halswirbel. Dies ermöglicht es dem Atlas, eine Bewegungsfreiheit von ca. 40° Rotation[1] zu jeder Seite – also ca. 80° Rotationsfreiheit insgesamt – auf dem zweiten Halswirbel zu haben. Als Vergleich: Die Lendenwirbelsäule bietet lediglich 2–3° Rotation[2] zwischen zwei Wirbeln pro Seite, d.h. 4–6° in Rotationsrichtung insgesamt. Dies macht den Atlas zum beweglichsten Wirbel der Wirbelsäule und damit zum Dirigenten der gesamten Statik der Wirbelsäule in absteigender Richtung. Natürlich kann auch z.B. eine Becken- oder Fußfehlstellung zu einer anhaltenden, aufsteigenden Problematik der Wirbelsäule führen, nebst vorhandenen faszialen Verklebungen, wie sie z.B. durch Narben, Operationen oder Verletzungen entstehen können.

Jegliche Verwringung der Wirbelsäule bewirkt eine vermehrte und vor allem eine Dauerkompression der Bandscheiben. Dieser anhaltende Druck führt zur Überlastung des knorpeligen Faserrings der Bandscheibe und damit zu möglichen Einrissen. In der Folge kann sich der Bandscheibenkern verlagern und zu einer Bandscheibenvorwölbung oder einem Bandscheibenvorfall werden. In diesem Prozess kann ein fehlgestellter Atlas eine große Rolle spielen. Denn seine Fehlrotation kann sich, wie beschrieben, absteigend auf die darunterliegenden Wirbel auswirken. Auch nachts haben die durch die Fehlstellung betroffenen Bandscheiben dann weniger Möglichkeit, sich im vollen Umfang mit Wasser aufzufüllen und ihre vollständige Höhe zu erreichen, da die vom Atlas ausgelöste Fehlrotation der Wirbelsäule auch in liegender Position aufrechterhalten bleibt. Dies kann die Entstehung eines Bandscheibenschadens beschleunigen.

Vor diesem Hintergrund kann eine Dekompression, also eine aktive Aufrichtung der Wirbelsäule, eine sehr effektive Maßnahme sein, um den Druck von den Bandscheiben und dadurch auch von den Nerven zu nehmen. Hierfür ist die korrekte Lage der Wirbel, insbesondere des sehr beweglichen Atlas, eine wichtige Grundvoraussetzung.

Unser Atlas: kleiner Wirbel, große Wirkung

Hier informieren wir Sie über den Wirkungszusammenhang von Atlasfehlstellungen und Krankheitssymptomen. Denn die Beschwerdebilder, die durch einen verschobenen Atlaswirbel entstehen können, sind vielfältig: Migräne, Tinnitus, Schulter-Nackenverspannungen uvm. In diesem Glossar finden Sie verschiedene Symptome, die durch eine Fehlstellung des Atlaswirbels ausgelöst werden können – inkl. einer Erläuterung, warum dies so ist. Dieses Glossar erweitern wir beständig für Sie.