Kiefergelenksbeschwerden

Knirschen und Co.

Häufig sind Kieferprobleme von Zähneknirschen (Bruxismus) oder Pressen begleitet. Die Ursachen für das Knirschen und Pressen können sowohl körperliche Strukturen sein (somatisch), aber auch emotionale und psychische Belastungen können ein auslösender Faktor sein. So kann zum Beispiel die Instabilität in der Halswirbelsäule dazu führen, dass der Körper über das Zusammenpressen der Zähne versucht, einen Halt bzw. Stabilität zu erreichen, abgesehen von reflektorischen Prozessen. Genauso kann das Knirschen Ausdruck von Stress sein, den man auf diese Weise verarbeitet. In der täglichen Praxis findet man häufig eine Wechselwirkung zwischen der Psyche bzw. Stress als auch den körperlichen Beschwerden als Ursache für Knirschen und Pressen. D.h. beides sind gleichzeitig vorhandene und sich gegenseitig verstärkende Faktoren für das aktuelle Beschwerdebild. In diesem Falle ist ein Therapieansatz von sowohl psychischer Seite als auch der körperlichen Seite sinnvoll.

Findet man Abdrücke der Zähne an den Zungenrändern, so kann dies durch das Einsaugen der Zunge zwischen die Zähne oder das Drücken der Zunge gegen die Zähne beim Schlucken kommen oder Ausdruck eines Versuchs der Stabilisierung des Kiefers sein und deutet ebenso auf eine Funktionsstörung der Zunge bzw. des Kauapparats hin.

Die Rolle des Atlaswirbels

Im Falle einer Atlasfehlstellung kommt es durch Druck auf die umgebenden Nerven und Gefäße sowie insbesondere durch einen Zug auf die Rückenmarkshaut (Dura mater) zu Fehlinformationen ans Gehirn, was zu entsprechenden lokalen Symptomen, aber auch zu Beschwerden in den angrenzenden Gebieten und dem Innervationsgebiet der betroffenen Nerven führen kann. Hierzu zählt im Falle des Kiefers neben dem Facialis- und dem Vagusnerv vor allem der Trigeminusnerv. Der Trigeminusnerv hat Ursprungskerne auf Höhe der oberen Halswirbelsäule (C1-C4), dem sogenannten Nucleus trigeminocervicalis. Über den Druck auf die Trigeminusnervenfasern bereits in der Halswirbelsäule und auch über reflektorische Regelkreise kommt es bei einer Atlasfehlstellung zur Überaktivität der Kaumuskulatur, die vom Trigeminusnerv versorgt wird. Folglich kommt es auch hier zu Verspannungen der Kaumuskulatur, zu Anpassungsreaktionen in Form von bindegewebigen bzw. faszialen Verdickungen dieser Muskulatur und zu Fehlstellungen des Unterkiefers, sodass Beschwerden in den Kiefergelenken begünstigt oder gar ausgelöst werden können.

Dies kann sogar sichtbar werden in Form von Asymmetrien der Schädelknochen, des Gesichts, der Augenhöhe bzw. -tiefe, der Höhe der Mundwinkel und der Dicke der Kaumuskulatur. Hörbar wird eine Kieferproblematik durch Knack- und Reibegeräusche im Kiefergelenk bei Kieferbewegungen. Das Knacken entsteht dabei durch den erhöhten Druck auf den Discus, einer scheibenartigen Struktur im Kiefergelenk, die den Druck im Kiefer besser verteilen soll. Ist ein Knacken hörbar, so liegt der Verdacht nahe, dass dieser Discus verlagert ist.

Atlaskorrektur als Initialzündung

Vor allem, wenn parallel eine Störung des Bisses (Okklusionsstörung) vorhanden ist, so beeinflussen sich diese Okklusionsstörung, die Kieferfehlstellung und die Atlasfehlstellung gegenseitig. Daher ist über die Korrektur des Atlas eine Durchbrechung des Teufelskreises möglich, wenn die Ursache von der Atlasfehlstellung herrührt, und die Kieferfehlfunktionen können sich spontan verringern oder sogar komplett aufhören. Sollte die Ursache im Kiefergelenk selbst, in der Okklusionsstörung oder gar einer weiter entfernt liegenden Körperregion liegen, so kann die Korrektur der Atlasposition ggf. eine Entlastung bewirken und den weiteren Genesungsprozess unterstützen und beschleunigen. Dies sieht man insbesondere im Verlauf einer kieferorthopädischen Behandlung.

Wichtig ist es in diesem Fall unbedingt mit einem Zahnarzt abzuklären, ob eine Schiene für die Zähne benötigt wird. Durch die engen Zusammenhänge der oberen Halswirbelsäule mit den Kiefergelenken und dem Biss ist es zu empfehlen, erst nach dem Anwenden einer Atlaskorrektur eine Schiene oder eine Bisshebung zu machen. Sprechen Sie hier mit Ihrem Zahnarzt und/oder Kieferorthopäden sowie Ihrem Physiotherapeuten oder Osteopathen.

Unser Atlas: kleiner Wirbel, große Wirkung

Hier informieren wir Sie über den Wirkungszusammenhang von Atlasfehlstellungen und Krankheitssymptomen. Denn die Beschwerdebilder, die durch einen verschobenen Atlaswirbel entstehen können, sind vielfältig: Migräne, Tinnitus, Schulter-Nackenverspannungen uvm. In diesem Glossar finden Sie verschiedene Symptome, die durch eine Fehlstellung des Atlaswirbels ausgelöst werden können – inkl. einer Erläuterung, warum dies so ist. Dieses Glossar erweitern wir beständig für Sie.